Köln vs Hannover: nur Podolski braucht keine Fehler

by Johan Petersen on October 16, 2011

Sowohl Köln als auch Hannover liegt das Kontern mehr als alles andere. Wer in diesem Spiel zweier gut geordneter Mannschaften in Führung ging, hatte also einen strategischen Vorteil, und Hannover fühlte sich gegen zunehmend tiefer stehende Kölner auch sichtlich unwohl.

In Stolbakkens 4-4-2 spielten Jajalo und Podolski in der Spitze, im Zentrum Lanig und Riether sowie Chihi und Peszko auf den Flügeln. In Hannovers 4-4-2 ersetzte Ya Konan vorne Jan Schlaudraff, vor der Abwehr spielten Pinto und Schmiedebach. Auf den Flügel Rausch und Stindl.

Beide Mannschaften spielten im gleichen System, zeigten aber gänzlich unterschiedliche Spielanlagen. Hannover setzte bei Ballbesitz oft auf weite Bälle auf die Flügelspieler und ansonsten auf schnelles Umschalten nach Ballgewinnen. Köln hingegen bemühte sich darum, das Spielfeld mit flachen Pässen von nicht mehr als 10-20 Meter Länge spielerisch zu überbrücken.

Das gelang auch immer wieder, doch in den Räumen am Strafraum war dann Schluss – hier stand Hannover sehr geordnet und den Rest räumt Haggui ab. Köln fiel außer Schüssen aus der zweiten Reihe keine andere Abschlussform ein. Chancen waren daher auf beiden Seiten die viel zitierte Mangelware, bis Hannover begann, sich zu viele Fouls im Mittelfeld zu leisten. Aus einem solchen am Strafraum machte Podolski das 1:0 – sein wirklich hervorragender Freistoß ist neue Nahrung für die Debatte, ob eine Mauer hochspringen sollte, oder nicht.

Anschließend bemühte sich Köln weniger um Spielkontrolle und überließ Hannover die Initiative. Damit wusste das Team von Slomka unter dem Strich wenig anzufangen. Pinto und Schmiedebach zählen fußballerisch zum besten, das die Bundesliga auf der Sechs zu bieten hat – doch ihnen fehlte das Gespür für den richtigen Zeitpunkt zum Tempowechsel. Die langen Bälle von Pogatetz auf Stindl stellten für das Stellungsspiel Eiglers keine große Herausforderung da. Ya Konan ließ sich zunehmend fallen, um Räume in die Tiefe zu schaffen, aber er konnte in dieser Hinsicht Jan Schlaudraff gegen gute Kölner Ordnung nicht ersetzen.

Erst als Eigler bei einem Ball durch die Viererkette auf Stindl kurz vor der Pause einmal falsch stand, ergab sich eine echte Torchance für Hannover.

Nach der Pause, in der Stolbakken mit Andrezinho einen neuen Rechtsverteidiger brachte, änderte sich das Bild wenig. Köln zog sich allerdings jetzt weiter zurück, und agierte oft vom eigenen Strafraum aus. Hannover verbesserte sich spielerisch, doch es liegt der Mannschaft mangels kopfballstarken Angreifern nicht, wenn sie tiefstehende Gegner mit Flanken bearbeiten muss.

Abdellaoue war über 90 Minuten komplett abgemeldet, und Pintos Fernschüsse waren in dieser Phase die gefährlichste Waffe. Angefangen bei Slomka beschäftigte sich die Mannschaft in dieser Phase auch zu sehr mit dem Schiedsrichter (der dafür in seinen Entscheidungen eigentlich keinen Anlass bot).

Köln wollte das Spiel über seine Konter entscheiden, verpasste aber in der 67. Minute eine große Gelegenheit dazu, als Lanig zunächst mit einem schlampigen Pass ein 1 gegen 1 gegen den Torhüter verhinderte und Podolski anschließend vorbeischoss.

Slomka versuchte, im bestehenden System mit der Einwechslung von Pander und Stoppelkamp neue Impulse zu setzen, doch da hatte Hannover seine beste Phase wohl schon hinter sich. Bezeichnender Weise hatte die Mannschaft ihre beste Chance nach einem eigenen Konter, doch Pintos Tor wurde nicht gegeben.

In der Schlussphase spielte Podolski nach einem schönen Tunnel gegen Pinto wieder Hau den Lukas, und wie so oft klingelte es ganz oben.

Fazit: kaum Fehler

Es war ein gutes Spiel zweier sehr geordneter Mannschaften, die sich sehr wenig Fehler leisteten. Im Spiel nach vorne haben beide Seiten in dieser Saison allerdings schon bessere Spiele gezeigt. Köln gewann für mich verdient, weil es sich gerade in der ersten Halbzeit um den besseren Fußball bemühte. Hannover entwickelte in der zweiten Halbzeit in seiner Drangphase trotz einiger gefährlicher Hereingaben zu wenig Durchschlagskraft vor dem Tor.

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